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Diskriminierung sichtbar machen

Wieviele Menschen erleben Diskriminierung, fühlen sich ausgegrenzt, schlecht behandelt usw.?

Diese und andere Fragen stellten sich verschiedene soziale Organisationen aus der Region Südwestfalen, die sich zu einem Netzwerk zusammen geschlossen haben - dem Netzwerk ZAK (mehr dazu in dem Menuepunkt 'Vielfalt fördern'). Initiator dieses Netzwerks ist der Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V..

Das Anliegen von ZAK bestand darin, von Bürgerinnen und Bürgern zu erfahren, ob diese sich schon einmal diskriminiert fühlten bzw. ob sie Diskriminierung wahrnehmen, erkennen und wenn ja, welche Erfahrungen sie gemacht haben, wie sie die Situation gelöst haben und welche Wirkungen diese Erlebnisse auf sie hatten. 

Mit Unterstützung einer Soziologin der Universität Siegen entwickelte das Netzwerk einen umfangreichen Fragebogen, der an über 300 Menschen in Siegen und Umgebung verteilt wurde.  

Fragebogen Erfahrungen mit Diskriminierung 

Die Befragten setzten sich aus unterschiedlichen Zielgruppen zusammen:

  • Frauen,
  • Lesben,
  • Schwule,
  • Migrantinnen und Migranten,
  • Seniorinnen und Senioren,
  • wohnungslose Menschen,
  • Menschen mit einer Behinderung.

Die Ergebnisse dieser Befragungen werden auf den nachfolgenden Seiten vorgestellt, und Sie können sich die einzelnen Studien ansehen oder herunterladen.

1. Frauen und ihre Erfahrungen mit Diskriminierung

Diese Studie geht insbesondere auf die Bevölkerungsgruppe der Frauen ein. Mit einem Anteil von rund 52% an der Gesamtbevölkerung sind Frauen keine Minderheit.  Sind sie eine Hälfte unserer zweigeschlechtlich zusammengesetzten Gesellschaft. Diskriminierung und Diskriminierungserfahrungen erhalten vor diesem Hintergrund ein besonderes Gewicht, denn: Frauen sind qua Geschlecht in besonderem Maße von Diskriminierung - zumeist von sogenannter Mehrfachdiskriminierung -betroffen. Ein Beispiel: Eine Frau mit Migrationshintergrund wird von ArbeitgeberInnen und/oder VermieterInnen immer wieder abgewiesen. Hier treffen bereits 3 Diskriminierungsgründe zusammen.

In der von der Autorin Stefanie Rehländer (Diplom-Pädagogin und Vorstand des Vereins Frauen helfen Frauen in Siegen) durchgeführten Studie lesen Sie vielfältige Beispiele für Diskriminierung im Lebensalltag von Frauen.

Frauen und ihre Erfahrungen mit Diskriminierung

2. Wohnungslose Menschen in Siegen

Mit dieser Studie untersuchten die Autorinnen Birgit-Starke-Salk (Diplom-Sozialarbeiterin bei der Diakonischen Wohnungslosenhilfe in Siegen) und Stefanie Schneider (Diplom-Pädagogin, ebenfalls Diakonische Wohnungslosenhilfe) die besondere Situation wohnungsloser Menschen in der Region Siegen im Hinblick auf deren Erfahrungen mit Ausgrenzung, Benachteiligung und Diskriminierung. Die Zielgruppe der Wohnungslosenhilfe sind Menschen, die in besonderen Lebensverhältnissen mit sozialen Schwierigkeiten leben, die unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht oder aktuell betroffen sind oder Menschen, die aus sonstigen Gründen in unzumutbaren Wohnverhältnissen leben oder sich in finanziell ungelärten Situationen befinden. Dies ist häufig die Folge von Problemen wie Arbeitslosigkeit, Überschuldung, mangelnder berfulicher Qualifizierung, Krankheit, Sucht, schweren persönlichen oder familiären Konflikten etc.. Vor diesem Hintergrund ist diese Zielgruppe besonders von sozialer Ausgrenzung und materieller Armut betroffen.

Wohnungslose Menschen in Siegen

3. Diskriminierungserfahrungen schwuler und bisexueller Männer

Die Fragebogenaktion in der Zielgruppe schwuler und bisexueller Männer zeigt einige wichtige Ergebnisse, die auf eine mögliche Antidiskriminierungsarbeit hinweisen. Die sicherlich wichtigste Aussage für eine zukünftige Antidiskriminierungsarbeit ist die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der befragten Männer ein- oder mehrmals Diskriminierung wegen ihrer sexuellen Orientierung auf das gleiche Geschlecht erlebt haben. Selbst diejenigen, die keine Diskriminierung erlebt haben, unterlassen zu 40% Verhaltensweisen, die sie als schwul oder bisexuell erkennen lassen, um nicht diskriminiert zu werden. Sie sind insofern indirekt von Diskriminierung betroffen, da sie sich belbst Verhaltensmaßregeln auferlegen. Insgesamt zeigt die von Dipolm-Sozialarbeiter Andreas Zimmer (Schwule Initiative Siegen e.V. und leiter der dortigen Beratungsstelle) durchgeführten Befragung , dass eine kontinuierliche aktive Antidiskriminierungsarbeit notwenig ist, um langfristig Diskriminierung zu bekämpfen.

Diskriminierung schwuler und bisexueller Männer

4. Seniorinnen und Senioren und ihre Erfahrungen mit Diskriminierung

Altersdiskriminierung trotz verfassungsrechtlich garantierter Menschenwürde? Diese Fragestellung legten die drei VerfasserInnen der vorliegende Studie zugrunde. Diplom-Pädagogin Christel Ruback (Vorstand des Vereins Handeln statt Misshandeln - Initiative gegen Gewalt im Alter e.V. in Siegen), Prof.'in Dr. Insa Fooken (Universität Siegen, Fachbereich 2 Psychologie) und Diplom-Pädagoge Carsten Weiß (Universität Siegen, Fachbereich 2) fanden zahlreiche Bestätigungen für die Ausgrenzungen von Menschen aufgrund des Alters. Dass bei dem überwiegenden Teil der Befragten mit Diskriminierungserfahrungen nicht nur die Anzahl der kalendarischen Jahre ausschlaggebend waren, sondern diese in Verbindung mit anderen Handicaps gemacht wurden, verdeutlicht die Diskriminierungsfalle bei alten Menschen.

Diskriminierung von Seniorinnen und Senioren